Dialog der Religionen durch Kultur und Kunst (Osterferien 2021)
- vereinlogos
- 18. Dez. 2020
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Dez. 2020
Kreative Workshops, Treffen mit Meistern der Kunst, Ausflüge, Aufführungen, Wettbewerbe- Mittels Kunst und Kultur, durch moderne Kunstformen und mit Unterstützung durch Fachkräfte und Experten bekommen bis zu 15-20 Jugendliche eine Möglichkeit, Ähnlichkeiten der drei Religionen Christentum, Judentum und Islam kennenzulernen und einen Dialog zwischen ihnen kreativ zu gestalten.

Vorwort:
Gegenwärtig spielt das Thema der Migranten und Flüchtlingen eine immer stärker werdende Rolle. Es motiviert uns dazu, nicht nur die unterschiedlichen gesellschaftsspezifischen Fragen anzugehen, sondern ruft uns auch dazu auf, tolerant zu sein und nach Berührungspunkten und Ähnlichkeiten zwischen unterschiedlichen Kulturen zu forschen.
Religion als eine Form des gesellschaftlichen Bewusstseins ist eines der heißen Themen, auf der Grundlage dessen Vorurteile entstehen. Zugleich ist mit Religion eine Menge von Traditionen und Werten eines Volkes verbunden, die von Generation zur Generation übertragen werden sowie ihre Denkweise bilden. Außerdem spiegelt sich sowohl die große Anzahl an literarischen und musikalischen Werken, als auch an Kunstwerken die Vorstellungen der Menschen von Religion oder religiösen Objekten. Es ist offensichtlich, dass das vom Dialog zwischen den drei großen Religionen, Christentum, Judentum und Islam, nur mittels einer gemeinsamen Grundlage möglich ist. Uns erscheint die Vorstellung von universalen, allgemeinmenschlichen und ewigen Werten als eine geeignete Grundlage des Wegs zur Akzeptanz und Verständnis.
Des Öfteren formiert das Fernsehen ein verfälschtes Bild von der Kultur eines anderen Landes, vermittelt Vorurteile gegenüber dessen Bevölkerung. Jugendliche, die digitale Massenmedien aktiv nutzen, sind diesem Einfluss am stärksten ausgesetzt und sie sind oft nicht in der Lage, solche Information kritisch zu begreifen. Hieraus stammen die Vorurteile oder „Klischees“, die die Kommunikation erschweren.
Inhalt:
-Kreative Workshops, Treffen mit Meistern der Kunst, Ausflüge, Aufführungen, Wettbewerbe-
Mittels Kunst und Kultur, durch moderne Kunstformen und mit Unterstützung durch Fachkräfte und Experten bekommen bis zu 15-20 Jugendliche eine Möglichkeit, Ähnlichkeiten der drei Religionen Christentum, Judentum und Islam kennenzulernen und einen Dialog zwischen ihnen kreativ zu gestalten. Ihnen wird eine Chance dargeboten, handwerkliche Details der Schaffung einiger religiöser Kunstwerke zu erfahren und hierdurch eigene kreative Fähigkeiten zu entfalten und auszubauen. Außerdem lernen Jugendliche, auf neue Art und Weise religiöse Architektur, literarische Werke und Theaterstücke wahrzunehmen sowie kritisch zu denken und verschiedene Texte zu analysieren und auf diese Weise durch den Spiegel der kulturellen Artefakte die Gemeinsamkeiten der Religionen zu erkennen und Toleranz einzuüben.
Zielgruppe:
Jugendliche im Alter zwischen 17 und 30 Jahren aus Neuss und Orten der unmittelbaren Umgebung.
Bedarf:
In unserer täglichen Arbeit mit Jugendlichen, im Rahmen unserer vielfältigen Projekte der Jugendsozialarbeit sowie der Hilfen zur Erziehung in Neuss, stellen wir fest, dass
viele der Jugendlichen keinerlei oder kaum Interesse an Kunst- und Kulturformen wie Literatur, Architektur, Malerei oder Theater haben. Dies hängt nicht selten auch mit dem sozioökonomischen Status der Eltern zusammen. Kaum ein Jugendlicher unserer Zielgruppe besucht regelmäßig das Theater, Museen oder Kunstausstellungen. Nur wenige Lesen literarische Werke und auch Ausflüge und Besichtigungen von bedeutenden architektonischen Bauwerken finden – wenn überhaupt – nur im Rahmen von Studienreisen und Schulausflügen statt.
bei vielen Jugendlichen stereotype Denkweisen bis hin zu gefestigten Vorurteilen gegenüber Menschen mit einem anderen Glauben und einer anderen Kultur existieren. Diese äußern sich in antisemitischen/antizionistischen Äußerungen und Handlungen auf der einen Seite und islamfeindlichen Äußerungen und Handlungen auf der anderen Seite, aber auch abfällige Äußerungen und Handlungen gegenüber Christen und Atheisten sind zu beobachten.
diese stereotypen Denkweisen und Vorurteile zumeist aus Unwissen über die ihnen fremden Religionen und Kulturen sowie einer sehr engen und traditionellen/wortwörtlichen Auslegung der eigenen Religion/Kulturellen Ideologie stammen.
die eigenen Werte meist vor allem durch Eltern und peer groups vermittelt werden, während die Stereotype und Vorurteile oft zusätzlich durch Medienrezeption vermittelt werden (Insbesondere im Bezug auf Islamfeindlichkeit mehrfach empirisch nachgewiesen).
gerade im aktuellen Kontext eines verstärkten Zuzugs vieler Menschen (Flüchtlinge) mit unterschiedlicher Herkunft und religiösem wie kulturellem Hintergrund, der Bedarf nach gegenseitigem Verständnis ansteigt.
insbesondere im Kontext der aktuellen gesellschaftlichen Zustände, die Gefahr einer zunehmenden Radikalisierung der Jugendlichen mit starken Stereotypen und Vorurteilen besteht.
Ziele:
Erwecken neuen Interesses für Kunst- und Kulturformen, die für Jugendliche oftmals fremd, unbekannt oder unattraktiv erscheinen, wie
Theater
Architektur
Literatur
Förderung von Kreativität im Umgang mit Kultur und Kunst
literarische und theatralische Werke auf neuartige Art und Weise auffassen, verstehen und kritisch durchdenken sowie analysieren
Abbau von Stereotypen Denkweisen sowie gefestigten Vorurteilen durch die Begegnung und den Austausch mit Menschen/Kulturschaffenden anderer/fremder Religionen und Kulturen
Die Förderung von einer allgemeinen Offenheit gegenüber Neuem und der Empathiefähigkeit
Herausarbeitung und Vermittlung gemeinsamer universeller, allgemeinmenschlicher und ewiger Werte, die in allen drei Religionen (Judentum, Christentum, Islam) von Bedeutung sind, als Grundlage für Akzeptanz und Verständnis von Unterschiedlichkeit
Orientierung schaffen, die außerhalb stark autoritärer / radikaler Ideologien liegt.
Veranstaltungen: Modulsystem
Auftaktveranstaltung
Den Auftakt des Projektes bildet eine öffentliche Veranstaltung zur Interkulturelle Woche 2020, bei der zum einen interessierten Jugendlichen die Inhalte des Projektes vorgestellt werden und sie zu einer Teilnahme motiviert werden sollen, zum anderen im Rahmen einer Podiumsdiskussion zwischen einem Iman, Rabbiner, Priester und einem Jugendsozialarbeiter mit großer Expertise in der Interreligiösen Jugendarbeit Themen der Religion hinsichtlich eines Dialoges und der Toleranz diskutiert werden sollen. Darüber hinaus wird ihnen die Möglichkeit geboten in kleinen Workshops, Inhalte der Projektworkshops (Theater, Graffiti, Architektur-Zeichnen, Film) praktisch kennenzulernen und auszuprobieren.
1. Modul: Architektur
Kirche, Synagoge und Moschee sind Kult-Bauten, die den Kern und die Werte wiederspiegeln, die im Christenturm, Judentum bzw. Islam beinhaltet sind. Architekten, Künstler, Philosophen, Theologen helfen den Jugendlichen, die Symbolik der religiösen Objekte zu verstehen. Dafür werden Vorführungen der Video-Vorlesungen, Treffen mit Experten, Besuche der Architektur-Büros, Reisen und Führungen zu religiösen Architektur-Bauten (Duisburg, Düsseldorf, Köln) mit detaillierter Erzählung über die Besonderheiten deren Erbauung unternommen. Die Exkursion wird zusätzlich von der Vorstellung berühmter religiöser Bauten und deren Geschichten begleitet.
Der praktischer Teil des Moduls sieht in Workshops die Erstellung von Zeichnungen, Graffiti-Bildern und Malereien eines zukünftigen Kultbaus vor, wobei auf wichtige religiöse Architektur-Besonderheiten zu achten ist. Den Jugendlichen wird angeboten, ein Essay oder eine Erzählung zu deren Architektur-Projekten des künftigen Kultbaus zu verfassen: welchen Platz er in der Geschichte einnimmt, Zeuge wessen könnte er werden, welche Rolle er für die kommenden Generationen zu spielen könnte.
2. Modul: Literatur
Im Rahmen des Moduls Literatur gilt es, die Jugendlichen durch die Auseinandersetzung mit klassischen und modernen Werken der Literatur an die künstlerische Verarbeitung interreligiöser Themen heranzuführen und sie anzuleiten, diese kreativ neu zu gestalten.
Schreibwerkstatt
Im Rahmen von Schreibwerkstatt-Workshops erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit eigene literarische Texte mit interreligiösen Themen zu verfassen. Dabei erhalten sie eine Einführung in die Themenbereiche literarische Sprache, Textstrukturierung, Leserführung und Lektorat. Themen und Texte aus dem Bereich dem Bereich der Buchbesprechung sollen ihnen hier als Vorlage und Vorbild dienen. Während des Schreibprozesses über die Projektwochen hinweg werden sie von den Projektmitarbeitern in ihren Arbeiten unterstützt. Im Rahmen der Veranstaltung wird darüber hinaus ein Workshop zum Verfassen der Texte im publizistischen Stil angeboten. Zum Ende des Projektes wird erwartet, dass jeder Jugendliche ein kleines literarisches Werk kann. Im Anschluss wird ein Wettbewerb mit einer Fachjury mit Vertretern junger lokaler Autoren organisiert, bei der die besten drei Texte ermittelt werden. Die drei Gewinner erhalten einen Preis.
3. Modul Theater
Im Rahmen des Moduls Theater sollen die Jugendlichen durch die Arbeit mit Auszügen aus klassischen Werken des Theaters an die künstlerische Verarbeitung interreligiöser Themen herangeführt und angeleitet werden, diese in einem eigenen Bühnenstück kreativ neu zu gestalten.
Im Rahmen des Moduls werden folgende Veranstaltungen organisiert:
Treffen mit Regisseuren des Theaters, Schauspielern, Maskenbildnern, Garderobier, die von Geheimnissen ihrer Arbeit berichten.
Besuch der Theaterstücke verschiedener Theater.
Diskussion über die Theaterstücke mit Experten.
Workshops: Bühnenredekunst, Mimik, Geste usw.
Mit diesem Wissen gilt es, mit der Gruppe ein eigenes Theaterstück zu entwickeln, das interreligiöse Themen in den Fokus nimmt und den Toleranzgedanken plastisch darstellt. Neben der Entwicklung des Bühnenskripts stehen szenische Proben und Sprechübungen auf dem Programm. Als beispielhafte Vorlage für das Theaterstück wird den Jugendlichen die Erzählung von E.M. Schmidt „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ vorgestellt.
Abschlussveranstaltung:
Auf einer Abschlussveranstaltung gilt es, sämtliche kreativen Produktionen der Workshops der Öffentlichkeit zu präsentieren. Darüber hinaus gilt es an die Podiumsdiskussion der ersten Veranstaltung anzuknüpfen und interreligiöse Themen im Spiegel der geschaffenen Kunstwerke der Jugendlichen neu zu diskutieren.



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